Als vor eineinhalb Jahrzehnten die Fideospielewelt noch in Ordnung war, existierten zwei Fraktionen, die PALis (heute PAL-Hansen genannt) und die wahren Spieler, seltener auch NTSCler genannt. Die ersten waren eingefleischte Fäns deutscher Versionen, auch wenn diese wirklich nahezu immer schlechter ausgestattet, verspätet, überteuert und beschnitten waren.

Um die gravierenden Unterschiede bei den Verpackungen zu veranschaulichen, sieht Euch das unten abgebildete Rockman an

nyapanische Version

amische Version

und weils so schön war, die Fortsetzung:

Doch nicht nur Kunst der die Verpackungblieb auf der Strecke, die Spiele liefen oft unangepasst mit 50 statt 60 Hz, so dass Mario Kart oder Street Fighter spielende PALis oft gegen wahre Zocker nichts zu melden hatten. Ich erinnere mich noch an das Gejammer in einer Ausgabe des Club Nintendo, wo sich einer darüber beschwerte, nicht die Zeiten einzufahren, die er gerne wollte ♥♥(o→ܫ←o)♫ღ

Zwei schwarze Palken und knapp 20 % langsamer

So, was sind nun PALis eigentlich?

a) Videospieler, die ganz viele PAL-Spiele kaufen und einige NTSCs (J);
b) Videospieler, die nur PAL-Spiele kaufen;
c) Videospieler, die gar keine Spiele kaufen, keine Spiele kennen, dennoch darüber reden und PAL eigentlich richtig gut finden.

Japaner wollten auch schon immer PAL sein - natürlich mit der Eisenbahn als Zweithobby

Warum kaufen PALis PAL-Software?

1) Weil PALis sehr geduldige Menschen sind. Sie können bis zu einem Jahr und länger auf die neusten Spiele warten ohne jegliches Murren. Tausende Previews und permanente Präsenz der Importe in allen Magazinen reizen sie überhaupt nicht, früher zuzugreifen. Warum? Intensive Untersuchungen ergaben, daß PALis meist Gelegenheitsspieler sind, die sich im Grunde gar nicht so richtig für die Spiele interessieren.

2) Weil PALis humorvoll sind. Sie brauchen miserabele Übersetzungen ins Deutsche: So können sie sich totlachen und haben wenigstens ein wenig Spaß am Spiel, da sie vom Gameplay ‘eh nicht viel mitkriegen. Japanische Software wird – egal ob textlastiges RPG oder Ballerspiel – meist ganz abgelehnt, da gerade bei einem Ballerspiel doch viele spielerische Feinheiten der Hintergurndstory nicht erlebt werden können.

3) Weil PALis lange Bücherregale besitzen. Leider besitzen sie nur wenige Bücher, die sie in die Regale stellen können, so daß sie bei PAL-Käufen so happy sind und fast in die Hose pinkeln vor Glück. Denn PAL-Spiele bringen immer ganz dicke Booklets mit, die richtig schick im Bücherregal anzusehen sind. Und komplett schwarzweiß sind sie auch, wie echte Bücher halt. Das Highlight allerdings ist die Mehrsprachigkeit der Bücher. Ein PALi will sein Spiel lieber in acht Sprachen oberflächlich erklärt haben (“Legen Sie die CD mit der schwarzen Seite nach unten in die Playstation.”) und nicht in einer Sprache vollständig. Wofür auch? Für ein paar Gelegenheitsspiele lohnt sich der Aufwand doch nicht und so spart er das Geld für die Sprachlernkassetten von Aldi.

Wer braucht schon einen iPod?

4) Weil PALis auf Waschmitteldesign stehen. PALis erschrecken jedesmal beim Anblick von kontrastreichen, professionellen Verpackungen. Sie brauchen kontrastarme, langweilige und möglichst unauffällige Verpackungen, denn diese sollen ja auch ins Bücherregal.

5) Weil PALis gehorsame und gutgläubige Menschen sind. Böse Zungen behaupten sogar, sie seien in SM-Kreisen zu Hause. Wenn Videospielhersteller und Magazine böse NTSC (J)-Spiele als gesundheitsschädlich und einfach als nicht-Spaß-machend-weil-zu-blöd bezeichnen, folgen ihnen die PALis wie Lemminge. Aus diesem Grund neigen einige dazu, PALis auch PALemminge, PAL-Köppe, PAL-Hansen, PAL-Tunten oder auch PALästinenser zu nennen.

6) Weil PALis nicht mehr einen Balken vor’m Kopf haben wollen. Nein, sie wollen gleich zwei Balken vor dem Kopf haben. Einen oben und einen unten, schön schwarz und dick. Erstens sieht das so aus, als würde ein Kinofilm im Fernsehen laufen (“Boar, ey, ich mach’ mir meinen eigenen Muhwie!”) und zweitens werden dann die ganzen Videospiele noch drolliger, Mario noch dicker und knuddeliger und alles wird oval, denn die Erde ist oval.

7) Weil PALis gemütliche Menschen und wahre Genießer sind. Sie besitzen ein völlig anderes Zeitempfinden. Ruckelnde Animationen und zu geringe Frameraten sind ihnen ein Fremdwort, denn von ihrem PC kennen sie ‘eh nichts anderes und so können sie wirklich jedes einzelne Frame bei einem Glas Wein richtig genießen. Außerdem sind die Spiele jetzt viel leichter zu lösen, da langsamer. Somit muß nicht noch ein teures Hintbook erworben werden.

Unser Pal-System ist kein Kuhmist!

 

Was sind PALis für Charaktere?

– PALis erachten die BPjS als eine sehr wichtige Institution.

– PALis stehen ungewöhnlichen und neuen Ideen sehr verschlossen gegenüber.

– PALis haben eine Klopapierrolle im Auto hinten auf der Hutablage.

– PALis freuen sich auf jede Hinrichtung und sind aktiv im Steinewerfen dabei.

– PALis fallen auf die meisten Hypes rein wegen verwirrter Geschmacksnerven.

– PALis stellen immer ihre Schuhe vor die Tür.

– PALis haben NTSC (J)-Spiele schon gesehen, aber sie haben es nie geschafft irgendwelche Unterschiede zu den PAL-Brüdern zu erkennen.

– PALis sind Button-Smasher.

– PALis schreiben nette Briefe: “Lieber … Ihr seid echt top … schleim … schleim … kein Inhalt”

– PALis können die Gamefront leider nicht lesen, da sie einen unnatürlicheren Schreibstil bevorzugen, der permanent in der dritten Perspektive, überladen mit Adjektiven im Groschenromanstil, detailiert die Hintergundstory beschreibt.

 

Hier werden Sie zu PAL bekehrt - wenn's sein muss, auch durch den Kamin

© 1998 arkanoidreturns, ergänzt von matsumoto

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